Balkon-Bruno

Alternativen zum Balkonkraftwerk

Nicht jeder hat einen sonnigen Balkon, und nicht jeder will Strom sparen, manche wollen Strom für unterwegs. Drei Fragen, dann siehst du, was für dich passt.

Stand: 8. November 2026

  1. Balkonkraftwerk

    Module an Balkon, Wand oder im Garten, Stecker in die Steckdose. Deckt tagsüber einen Teil deines Verbrauchs.

    Kosten
    Set mit zwei Modulen ab etwa 200 bis 300 €, Halterung meist extra Quelle
    Aufwand
    Selbst aufbauen, ein Eintrag im Marktstammdatenregister Quelle
    Bringt
    590 bis 820 kWh im Jahr mit 800 Wp, je nach Lage Quelle

    Für wen: Mieter und Eigentümer mit Balkon, Terrasse oder Garten, die mit wenigen hundert Euro anfangen wollen.

    Grenzen: Überschuss gibt es meist nicht vergütet, für eine Vollversorgung reicht es nicht.

  2. Solar-Powerstation

    Ein tragbarer Akku mit Steckdosen, geladen über ein Solarmodul. Versorgt Geräte direkt, ohne Verbindung zum Hausnetz.

    Kosten
    Im Test der Stiftung Warentest (2023) 470 bis 825 € für 400 bis 644 Wh, Modul extra Quelle
    Aufwand
    Keine Anmeldung, solange sie nicht mit dem Hausnetz verbunden ist (§ 5 Abs. 2 MaStRV) Quelle
    Bringt
    Strom für Camping, Gartenhaus oder einzelne Geräte bei Stromausfall. Die Stromrechnung sinkt kaum. Quelle

    Für wen: Camping, Garten ohne Stromanschluss, Notstrom für Router, Licht oder Kühlbox.

    Grenzen: Eine Powerstation speist nicht ins Hausnetz ein und eignet sich laut Stiftung Warentest kaum als Speicher fürs Balkonkraftwerk.

  3. PV-Anlage auf dem Dach

    Eine richtige Solaranlage vom Fachbetrieb. Ein Vielfaches an Strom, aber auch an Kosten.

    Kosten
    Laut Verbraucherzentrale etwa 10.000 bis 20.000 € Quelle
    Aufwand
    Anschluss nur durch eingetragenen Installateur (§ 13 NAV), Anmeldung und Zählertausch Quelle
    Bringt
    Rund 8.240 kWh im Jahr mit 8 kWp nach Süden. Einspeisung bis 10 kWp: 7,70 ct je kWh (Inbetriebnahme bis 31.12.2026) Quelle

    Für wen: Eigentümer eines Hauses mit geeignetem Dach, die viel Strom selbst nutzen wollen.

    Grenzen: Fünfstellige Investition. Zeiten mit negativen Börsenpreisen werden bei Neuanlagen nicht vergütet; für 2027 ist ein neues Fördersystem geplant, aber noch nicht beschlossen. Quelle 1 Quelle 2

  4. Dynamischer Stromtarif

    Der Strompreis wechselt stündlich mit der Börse. Wer Verbrauch in günstige Stunden legt, spart, ganz ohne eigene Anlage.

    Kosten
    Intelligenter Zähler nötig: höchstens 30 € im Jahr, auf Wunsch bis 100 € einmalig für den Einbau Quelle
    Aufwand
    Seit 2025 muss jeder Stromanbieter so einen Tarif anbieten (§ 41a EnWG) Quelle
    Bringt
    Ersparnis vor allem mit E-Auto, Wärmepumpe, Speicher oder verschiebbaren Großgeräten Quelle

    Für wen: Haushalte, die große Verbräuche gezielt in günstige Stunden legen können, auch zusammen mit einem Speicher.

    Grenzen: Eine gesetzliche Preisobergrenze gibt es nicht: Teure Stunden schlagen voll durch.

  5. Mieterstrom

    Solarstrom vom Dach deines Mietshauses, direkt an die Bewohner verkauft. Du brauchst keine eigene Anlage.

    Kosten
    Höchstens 90 % des örtlichen Grundversorgungstarifs (§ 42a EnWG) Quelle
    Aufwand
    Nur möglich, wenn Vermieter, Genossenschaft oder Eigentümergemeinschaft eine Anlage betreibt Quelle
    Bringt
    Günstigerer Strom; Vertrag getrennt vom Mietvertrag, höchstens zwei Jahre Bindung Quelle

    Für wen: Mieter und Wohnungseigentümer in Mehrfamilienhäusern mit einer Anlage auf dem Dach.

    Grenzen: Ein einzelner Mieter kann es nicht einführen. Bei der neueren gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (§ 42b EnWG) gibt es keine Preisgrenze. Quelle 1

  6. Bürgerenergie

    Du kaufst Anteile an einer Energiegenossenschaft, die Solar- und Windparks in der Region baut.

    Kosten
    Mindestbeteiligung bei den meisten Genossenschaften höchstens 500 € (DGRV-Umfrage 2023) Quelle
    Aufwand
    Beitrittserklärung; Kündigung je nach Satzung 3 Monate bis 5 Jahre Quelle
    Bringt
    Gegebenenfalls eine jährliche Dividende und eine Stimme. Die eigene Stromrechnung sinkt nicht. Quelle

    Für wen: Alle ohne eigene Fläche, die sich mit einigen hundert Euro an der Energiewende vor Ort beteiligen wollen.

    Grenzen: Unternehmerische Beteiligung: keine garantierte Rendite, keine Einlagensicherung, Totalverlust möglich. Quelle 1

Vom Balkon bis zum Dach: wie viel Strom?

Ein Balkonkraftwerk und eine Dachanlage spielen in verschiedenen Ligen. Der Balken zeigt, wie viel Strom im Jahr zusammenkommt, die Linien zeigen Beispielverbräuche:

1.500 kWh2.500 kWh4.000 kWh
  • Balkonkraftwerk 800 Wp, senkrecht am Geländer 590 kWh
  • Balkonkraftwerk 800 Wp, schräg nach Süden 820 kWh
  • Balkonkraftwerk 2.000 Wp, schräg nach Süden 1.630 kWh
  • Dachanlage 8 kWp, nach Süden 8.240 kWh
Strom pro Jahr laut unserem Ertragsmodell, Deutschland-Mittel (Methodik). Die senkrechten Linien zeigen Beispiel-Jahresverbräuche zum Vergleich; deinen findest du auf der Stromrechnung. Mit 2.000 Wp regelt der 800-VA-Wechselrichter mittags ab, deshalb wächst der Ertrag nicht im selben Maß.

Gut kombinierbar

Die Möglichkeiten schließen sich nicht aus. Häufige Kombinationen:

  • Balkonkraftwerk + dynamischer Tarif: Mittags kommt der Strom vom Balkon, abends kaufst du in den günstigen Stunden.
  • Balkonkraftwerk + Powerstation: zwei getrennte Welten. Das Balkonkraftwerk spart im Alltag, die Powerstation ist für Camping und Notfälle da.
  • Mieterstrom oder Bürgerenergie + Balkonkraftwerk: Wer einen Balkon hat, kann trotzdem beides nutzen.

Stand der Regeln: 8. November 2026. Für Dachanlagen ab 2027 plant der Bundestag ein neues Fördersystem; beschlossen ist es noch nicht. Wir passen die Seite an, sobald es gilt.

Häufige Fragen

Kann ich eine Powerstation als Speicher für mein Balkonkraftwerk nutzen?

Nur eingeschränkt. Eine Powerstation versorgt Geräte, die direkt an ihr hängen; ins Hausnetz speist sie nicht ein. Laut Stiftung Warentest eignet sie sich deshalb kaum als Zwischenspeicher. Für den Zweck gibt es eigene Balkonspeicher.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk, wenn ich schon eine Dachanlage habe?

Meist nicht nötig, denn eine Dachanlage erzeugt ein Vielfaches. Wer trotzdem eins dazunehmen will, fragt vorher beim Netzbetreiber nach, weil beide hinter demselben Zähler hängen.

Kann ich als Mieter Mieterstrom verlangen?

Nein. Mieterstrom gibt es nur, wenn Vermieter, Genossenschaft oder ein Dienstleister eine Anlage auf dem Haus betreibt. Wenn es ein Angebot gibt, ist es freiwillig und vom Mietvertrag getrennt.